This entry was posted on Dienstag, März 13th, 2012 at 14:50 and is filed under Fetisch, Sadomaso. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.
Neulich bin ich auf einen ganz merkwürdigen begriff gestoßen, den ich in dieser Form vorher noch nicht kannte – und zwar Turnaround. Ich habe sofort neugierig gelesen, worum es denn dabei wohl geht, denn schließlich hatte dieser Turnaround, dem Zusammenhang nach, ganz eindeutig etwas mit Fetisch und SM zu tun, und das sind ja nun einmal meine bevorzugten Themengebiete. Sehr schnell habe ich herausgefunden, dass Turnaround nur ein anderer Begriff für das Switchen ist. Switcher nennt man beim Sadomaso Sex die Menschen, die ihre Rolle öfter mal wechseln, mal aktiv sind – Top -, und mal passiv – Sub.
Sadomaso Switch
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Unter den SMlern gibt es, wenn man das einmal zumindest ganz grob definieren und kategorisieren will, dominante Personen, devote oder submissive – und dann die Switcher. Solche, die beides sind. Abwechselnd oder gleichzeitig; die also, wie ich jetzt gelernt habe, auf den Turnaround in der Erotik stehen. Ja, geht das denn überhaupt, empört sich da das alte schwarz-weiße SM-Herz. Man ist doch entweder das eine oder das andere, dominant oder devot, aber niemals beides.
Warum eigentlich nicht? Ist man denn nur ehrlich oder verlogen, nur freundlich oder biestig, nur gut gelaunt oder zickig? Die meisten Menschen sind schon in jeder Sekunde mehrere zum Teil sogar unvereinbare Dinge auf einmal, und erst recht gilt das für einen längeren Zeitraum. Manche behaupten sogar, dass in jedem Menschen, der überhaupt SM-Neigungen hat, immer beides angelegt ist; der Sadist und der Masochist, die Domina und die Sklavin. Das geht sicherlich zu weit. Obwohl, wer weiß …
Aber es gibt ja auch noch andere Gründe als die ursprünglich vorhandene Veranlagung, SM bestimmter Spielarten zu leben, eine spezielle Rolle einzunehmen. Die Zufälle der Informationsflüsse. Erste Erfahrungen. Die Wahl des Partners, der Partner, seien es nun solche für Gespräche oder erotische, mit denen man spielt. Bücher, die man liest, Filme, die man sich anschaut, Bilder, die man sieht. Vieles mag wirklich Veranlagung sein, einiges ist sicher (auch) Prägung.
Hinzu kommt noch das Problem, zu welchen von den zahllosen Facetten, die jeder in sich trägt, man bereit ist zu stehen, und zu welchen nicht. Fesselspiele und Kliniksex zum Beispiel – es gibt da durchaus gravierende Unterschiede in der Akzeptanz. Und was mehr akzeptiert wird, dazu lässt es sich leichter stehen, dazu finden sich leichter Partner, das lebt man freier, mit weniger Hemmungen und weniger Scham aus.
Generell entspricht der dominante Mann dem leider immer noch nicht ganz ausgerotteten allgemeinen Rollenbild eher als der devote, während es bei Frauen umgekehrt ist. Vielleicht können deshalb manche Männer zu ihrer dominanten, manche Frauen zu ihrer devoten Seite leichter stehen als zu der anderen; so sie denn vorhanden ist. Also spielt auch das gesellschaftliche Umfeld eine Rolle? Ja, Himmel, warum nicht gleich der Satz: Es ist alles relativ? Ist es auch. Und somit sind auch die Rollen relativ, die aktive und die passive. Halten wir das einmal fest.
Aber: Wie geht das? Kann ein Switcher denn vielleicht sogar beides an einem Abend? Auf einer intimen SM-Party voll gnadenloser Herrschsucht das ans Andreaskreuz gefesselte Opfer auspeitschen und vor wonniger Hingabe zerfließend die Stiefel eines Meisters, einer Herrin lecken? Ist das beides echt? Oder spielt er nur? Ist er schizophren?Langsam, langsam. Schizophren ist jemand, der von den anderen Persönlichkeiten in sich nichts weiß. Der Switcher weiß durchaus, wer und was er ist. Ist sich dessen vollständig bewusst.
Er spielt auch nicht, denn Hingabe kann man ebenso wenig spielen wie Herrschsucht. Also: Es ist beides echt. Wer switcht, trägt einfach beides in sich, vielleicht mit etwas mehr Gewicht auf der einen oder anderen Seite, wobei sich dieses durchaus im Laufe der Zeit auch mal verschieben kann, er kann zu beidem stehen, und er kann beides ausleben. Und eigentlich ist er damit doch – beneidenswert.
